Aussprache in Lexika

Im Deutschen kann die Aussprache eines Wortes (Lautstruktur, Wortakzent) in sehr vielen Fällen nicht alleine vom Schriftbild abgeleitet werden. Deshalb ist es in vielen Situationen nützlich, die Aussprache eines Begriffes in einem Lexikon nachschlagen zu können. Dies gilt:

Aussprachelexika für Fremdsprachler

Deutsch als Fremdsprache
Wer Deutsch als Fremdsprache lernt, ist auf Ausspracheangaben in Wörterbüchern angewiesen. Denn das Schriftbild alleine lässt nicht immer die korrekte Aussprache eines Wortes erkennen. Die folgenden Beispiele sollen dies verdeutlichen:
Im Deutschen entspricht der Buchstabe "v" zum einem dem ersten Laut in Vase, zum anderen aber auch dem Laut wie in Vater.

Der Buchstabe "e" hat eine noch größere Anzahl lautlicher Entsprechungen. Er kann beispielsweise stehen für:

  • den Vokal wie in Bett
  • den Vokal wie in Weg
  • den "Murmelvokal" in Tore oder wie in beinhalten
  • einen Teil eines Diphthongs wie in Bein oder wie in Heu

Bei Fremdwörtern wird es noch schwieriger. So steht der Buchstabe "e" beispielsweise in Team für ein [i:] und in Charme wird er lautlich überhaupt nicht realisiert.

Fremdsprachen (bei Deutsch als Muttersprache)
Auch in Sprachen mit ausspracheferneren Schriften wie im Englischen ist ein Nachschlagen oftmals unumgänglich. Anhand der folgenden Beispiele soll gezeigt werden, dass die angenommene Aussprache oftmals falsch ist:

  Greenwich      Reading     Edinburgh
angenommen:
korrekt:

Aussprachelexika für Muttersprachler

Auch für Muttersprachler kann ein Aussprachelexikon in vielen Situationen hilfreich sein.
Denn in der Schrift wird kein Wortakzent verzeichnet. So ist beispielsweise nicht erkennbar, ob es Saarbrücken oder Saarbrücken heißt, ob es Zweibrücken oder Zweibrücken ist und ob zusammengesetzte Wörter immer nach dem gleichem Muster betont werden (vgl. Überdruck und Überschneidung).

Dabei treten vor allem bei Eigennamen Unsicherheiten auf,

  • sei es wegen des Wortakzents (Braunau, nicht Braunau; Ruhpolding, nicht Ruhpolding)
  • oder wegen der Lautung (Havel mit [f], Troisdorf mit langem [o:]).

Auch die korrekte Aussprache von Fremdwörtern ist oftmals problematisch: wie wird ein Cache bei einem Computer und ein Epithel aus der Biologie ausgesprochen? (Ganz zu schweigen von fremdsprachigen Eigennamen.) Hier stellen Ausspracheangaben ebenfalls eine nützliche Hilfe dar.

Aussprachelexika in der maschinellen Verarbeitung gesprochener Sprache

In sprachtechnologischen Anwendungen wie der Sprachsynthese und der automatischen Spracherkennung sind Aussprachelexika unerlässlich.

Ohne ein Aussprachelexikon - gekoppelt mit einer Graphem-zu-Phonem-Umsetzung für unbekannte Wörter - ist eine korrekte Lautung und Wortakzentuierung des sprechenden Computers nicht möglich. Dies ist aber die Grundlage für die Natürlichkeit und die Verständlichkeit von künstlicher Sprache.

Auch für die automatische Spracherkennung ist ein Aussprachelexikon unumgänglich. Ohne solch ein Lexikon ist die korrekte Erkennung von Wörtern in Anwendungen wie Diktiergeräten oder Dialogsystemen unmöglich.

Die Qualität von Sprachsynthese- und Spracherkennungssystemen hängt demnach in einem hohen Maße von der Qualität des verwendeten Aussprachelexikons ab. Ein fehlerhaftes Lexikon führt unumgänglich zu einem Qualitätsverlust solcher sprachtechnologischer Anwendungen.

Welche Aussprache für welche Wörterbücher?

Ausspracheangaben kommen in folgenden Arten von Nachschlagewerken vor:
  • einsprachige Wörterbücher
  • zweisprachige Wörterbücher
  • Wörterbücher für Fremdsprachenlerner
  • Konversationslexika und Enzyklopädien
  • elektronische Taschenübersetzer
  • internet-basierte Wörterbücher
  • elektronische Wörterbücher für TTS-Synthese und automatische Spracherkennung

In der vorliegenden Beispieldatei mit Transkriptionen der 1000 häufigsten Wörter im Deutschen wird gezeigt, welche Unklarheiten im Zusammenhang mit Aussprachelexika auftreten können und wie diese beseitigt werden können. Ähnliche Transkriptionslisten für andere Sprachen wie Französisch, Englisch oder Spanisch werden demnächst folgen.


 

Letztmalige Änderung: 16-02-04

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