Aussprache in Kinderwörterbüchern des Englischen
Eine kurze Bestandsaufnahme

Fünf Kinderwörterbücher des Englischen, wie sie in gut sortierten Büchereien erhältlich sind, wurden auf die Ausspracheangaben, aber auch die Benutzbarkeit bewertet. Hier Ergebnisse und ein paar Gedanken dazu.

Keine Angaben zur Aussprache

Drei von fünf Kinderwörterbücher haben gar keine Angaben zur Aussprache. Dabei sollte das folgende bedacht werden.

Wenn auf Angaben zur Aussprache gänzlich verzichtet wird, dann wird dem Wörterbuchbenutzer eine korrekte Aussprache schlichtweg verwehrt. Dies gilt für den jungen Nutzer, der keine Vorkenntnisse hat, genauso wie für den älteren Benutzer mit unvollständigen Kenntnissen in dieser Hinsicht. Im Englischen - im Gegensatz beispielsweise zum Spanischen - kann man nicht immer von der geschriebenen Form auf die gesprochene Form schließen. Der Benutzer bleibt mit diesen Unsicherheiten alleine - also das Gegenteil dessen, was die Benutzung eines Wörterbuchs beabsichtigt.

Was sind die Folgen der fehlenden Angaben zur Aussprache?
Der Ratsuchende wird zum Raten angehalten. Die Unsicherheit bleibt. Danach gibt es zwei Möglichkeiten.

  • Der junge Benutzer spricht aus Unsicherheit das Wort nicht aus – und lernt diese Vokabel nur unvollständig. Wenn er die Vokabel beim Sprechen selbst benutzen möchte, bleibt er unsicher – trotz Wörterbucheintrags.

  • Der Benutzer lernt die Aussprache der Vokabel in der Aussprache so wie er sie für möglicherweise korrekt hält. Leider führt dies oft zu einer falschen Aussprache des betreffenden Wortes und somit zur besten Voraussetzung nicht verstanden zu werden.

Beispiele:
  • Lehnwörter wie CD-Player werden im Englischen oft nicht wie im Deutschen ausgesprochen

  • International gebrauchte Wörter wie die Tiernamen elephant, giraffe und leopard werden anders ausgesprochen
  • im Deutschen unbekannte Laute führen zu einem starken deutschen Akzent
    oder man wird sogar missverstanden, wenn bet, bed, bat und bad gleich gesprochen werden
  • man macht sich den falschen Reim: south und youth, weight und height reimen sich nicht

Wenn die Aussprache der Wörter nicht so ist wie man denkt – wie dann?

Lautschrift ohne Erklärungen

Zwei der fünf Kinderwörterbücher geben in ihrem Verzeichnis am Ende die Wörter auch in Lautschrift an. Leider verzichtet man darauf, diese teilweise gewöhnungsbedürftigen Symbole zu erklären.

Wenn auf eine Vorstellung der Lautschrift-Symbole verzichtet wird, dann heißt es wohl:

  • entweder kennt man die Symbole (das gilt für die wenigsten)
  • oder man hat Pech gehabt (das gilt wahrscheinlich für die allermeisten)
Man kann davon ausgehen, dass nur wenige erwachsene Wörterbuchbenutzer und eigentlich keiner der eigentlichen Zielgruppe, nämlich die jungen Wörterbuchbenutzer, die Lautschrift kennen, um sie auch in Artikulation umzusetzen. Wenn dort zwischen den eckigen Klammern steht (wie in wait oder weight), dann wird der Betreffende entweder mit den Achseln zucken oder vielleicht versuchen dies nach den Regeln der deutschen Orthographie wie das deutsche weit auszusprechen.

Auch hier wird bei vielen Benutzern das Gefühl der Unsicherheit bleiben.

Schwierigkeiten der Benutzer

Wörter in Lautschrift vorhanden? Gut.
Erklärungen der Lautschrift vorhanden? Gut.
Aussprache dann kein Problem? Nein.

Die Benutzer der Wörterbücher sollte man dort abholen, wo sie stehen. Es wäre sehr hilfreich, wenn man auf die wichtigsten Schwierigkeiten und Fehler bei der Aussprache englischer Wörter aufmerksam macht. Und zwar aus Sicht der deutschsprachigen jungen Lerner. Vor allem für Kinder, die zum ersten Mal mit der fremden Sprache in Berührung kommen, spielt die Aussprache eine besonders große Rolle.

Natürlich wäre es auch gut, wenn eine Angabe darüber erfolgt, welches Englisch angestrebt wird. Eine Unterscheidung in britisches oder amerikanisches Englisch wäre ein Schritt in die richtige Richtung.

Letztmalige Änderung: 14-03-04

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